| 7. April
2010
Vom Marchbach bis nach Hawaii
Bachputzete 2010
Stellen Sie sich vor: Eine Zersetzungsdauer
von 100-1000 Jahren für eine PET-Flasche oder eine
Plastiktüte, 10-100 Jahre für Aludosen und
bis zu 4000 Jahre für Glasabfälle!
Oder eine schwimmende Suppe aus Plastikmüll –
alles Gegenstände aus dem Alltagsgebrauch - mitten
im pazifischen Ozean, nördlich von Hawaii. Und
dies auf einer Fläche fast 40mal so gross wie die
Schweiz! - Sind das nicht schwindelerregende Zahlen?
Ob nun im weiten Pazifik oder bei unserem Oberwiler
Marchbach – die Abfallentsorgung in der Natur
ist leider (noch) Realität und zweifelsohne eine
Bedrohung für Mensch und Tier.
Aber - denkt man denn an solche Zahlen und Fakten, wenn
man sich „ganz sorglos“ seines Abfalls am
nächsten Bachufer entledigt? Spätestens ab
heute ist eine solche Handlung mindestens einen Gedanken
wert – denn jeder kann etwas für unsere Umwelt
tun!
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So wie die fleissigen Putzer der Männerriege
des Turnvereins Bottmingen, welche sich freiwillig jedes
Jahr zur „Bachputzete“ besammeln, um das
Bachbett und die Uferböschung von dem unliebsam
entsorgten Unrat zu befreien. Um die Gefahren des Abfalls
für die Natur und für sich selbst wissen sie
gut Bescheid.
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Doch warum sollte man denn nun seinen Abfall gewissenhaft
entsorgen, wenn doch der Bach jährlich wieder „rausgeputzt“
wird? Das Augenscheinliche liegt auf der Hand –
weil die hübsche Natur verunstaltet wird. Wenn
dies nur die einzige Auswirkung wäre… doch
der Kreislauf geht weiter:
Es heisst, alles was ins Wasser gelange, ende im Meer.
Betrachten wir also nochmal die schwimmende Plastiksuppe
im Pazifik. Das erste Mal wurde sie 1997 von einem Kapitän
Namens Charles Moore beschrieben. Während einer
Segelregatta entdeckte er den „neuen Kontinent“,
heute als „Garbage Patch“ bekannt. Ein Sammelsurium
aus Plastikmüll – Taschen, Flaschen, Deckel,
Waschmittelkanister, form- und farbenfrohe Bruchstücke
und Überbleibsel des tödlichen Stoffes. Laut
Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen
(Unep) treiben pro Quadratkilometer Meer durchschnittlich
18.000 sichtbare Plastikteile im Ozean. 80% der Plastikabfälle
stammen vom Land, wo sie weggeschwemmt oder weggeweht
und direkt, via Bäche und Flüsse oder Abwasserkanäle
ins Meer transportiert werden.
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Die Meeresbewohner sind die Leidtragenden. Vögel,
Fische oder Wale können oft nicht zwischen Nahrung
und Plastik unterscheiden und nehmen die unverdaulichen
Materialien in ihren Speiseplan auf. Die Folge ist der
Tod vieler Tiere durch Verhungern mit vollem Magen.
Dort findet man nämlich Einkaufstüten, Puppen,
Wegwerfbesteck, Taschenkämme - die Plastikteile
blockieren die Verdauung der Tiere oder verletzen mit
den scharfen Kanten ihre Verdauungsorgane.
Heute weiss man, dass Plastik sich nicht einfach zersetzt,
sondern sich zu Kleinstpartikeln, sogenannten
„Microplastics“ zermahlt. Die Microplastics
werden vom Plankton aufgenommen, welche den Kleinstlebewesen
und Fischen als Nahrung dienen. Mit jeder zusätzlichen
Nahrungsstufe reichern sich diese Giftstoffe in der
Nahrungskette an – bis sie bei uns auf dem Teller
landen. Für unser Auge unsichtbar, sind Microplastics
wohl doch eine der grössten Bedrohung für
uns Menschen – denn sie vergiften unsere Meere,
und unsere Nahrungsgrundlage.
Zurück vom fernen Pazifik zu den kostbaren, schützenswerten
Schätzen vor unserer Haustüre – denn
die Arbeit am Grossen beginnt im Kleinen. Wie am Marchbach,
wo die Oberwiler „Putzengel“ am 7. April
auf einer Länge von 950 Metern sich durch das Dickicht
die Böschungen hoch und runter gearbeitet und den
Bach vom Abfall der vergangenen Monate gesäubert
haben. Letztes Jahr waren es 23 (!) prallvolle Abfallsäcke
– dieses Jahr nur noch 20. Nächstes Jahr
sollen es weit weniger werden!
Aktiv werden kann jeder. Bereits mit kleinem Aufwand
ist viel erreicht. Man kann zum Beispiel damit beginnen,
den Abfall an den entsprechenden Fachstellen zu entsorgen
oder wiederverwendbare Einkaufstaschen (oder Körbe!)
zu verwenden anstelle von Plastiktüten. PET- und
Plastikflaschen kann man einsparen, indem man zum Trinken
das qualitativ hochwertige Oberwiler Leitungswasser
bevorzugt.
Hier zählt das Engagement eines jeden Einzelnen,
denn was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam
lösen.
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